• Abenteuer
  • 23 April, 2021

Eine Wanderung um Kathmandu: Der Ridge Trail

Eine Wanderung um Kathmandu: Der Ridge Trail
Meine Tochter und ich auf der Straße von Nagarkot nach Jhule. Photo: Eva Wieners

Wenn man an Nepal denkt, denkt man oft an hohe Berge mit schneebedeckten Spitzen und anspruchsvolle Wanderwege. Es gibt aber auch viele Möglichkeiten, um Kathmandu herum zu wandern. Hier muss man auch keinen Flug in Kauf nehmen oder sich zehn Stunden in einen Bus setzen, um zum Anfang des Trails zu gelangen. Diese Wanderungen sind perfekt für Reisende mit wenig Zeit oder diejenigen, die sich nicht zu weit von der Zivilisation entfernen möchten – zum Beispiel Familien oder Menschen mit gesundheitlichen Problemen. Wir haben den viertägigen Ridge Trail rund um Kathmandu ausprobiert und hatten eine tolle Zeit.

Um unser Abenteuer zu starten, nahmen meine Tochter und ich einen Bus vom Alten Buspark in Ratna Park in Kathmandu um zum Startpunkt in Banepa zu kommen. Nach etwas mehr als einer Stunde im Bus stiegen wir aus und begannen unsere Wanderung. Wir verließen die laute Straße und liefen in Richtung des Dorfes Nala, das ungefähr vier Kilometer von Banepa entfernt liegt. Hier wurde die kleine Straße zu einem Schotterweg und weniger und weniger Autos fuhren an uns vorbei. Durch Felder und kleine Dörfer liefen wir weiter bis nach Nagarkot, wo wir unsere erste Nacht verbringen wollten. Das Dorf Ghimire Gaun war besonders schön und hat immer noch einige Teile der traditionellen Architektur, die an so vielen Orten durch das Erdbeben zerstört worden ist.

Eine Wanderung um Kathmandu: Der Ridge Trail
Direkt am Checkpoint des Shivapuri Nationalparks steht diese wunderbare Bank. Photo: Eva Wieners

Das letzte Stück des Weges entlang der Bergflanke war lang und anstrengend, aber wir kamen in Nagarkot zum Einfall der Dunkelheit an. Wir fanden schnell ein schönes Hotel in der großen Auswahl und genossen ein leckeres Dal Bhat bevor wir früh ins Bett gingen – am nächsten Morgen wollten wir früh aufstehen, um den Sonnenaufgang sehen zu können.

Ich war vorher schonmal in Nagarkot gewesen, aber ich hatte nie Glück mit dem Wetter. Jedes Mal als ich da war, war es entweder nebelig oder es regnete sogar, so dass ich anfing zu glauben, diejenigen die begeistert von der tollen Aussicht in Nagarkot erzählten würden mich anlügen. Aber an diesem Morgen würde ich eines Besseren belehrt werden. Die Aussicht war unglaublich, und der Sonne dabei zuzugucken, wie sie langsam hinter den Bergen hervorkam, war einfach nur einzigartig.

Eine Wanderung um Kathmandu: Der Ridge Trail
Ein traditionelles Haus mit Ziegen am Wegesrand. Photo: Eva Wieners

Nach diesem wunderbaren Morgen machten wir uns in Richtig Jhule und den Shivapuri Nationalparka auf den Weg. Auf dem Weg aus Nagarkot fanden wir zum Glück den Einstieg in den Nature Trail durch den Wald, der ein wenig versteckt hinter einigen Hütten und Geschäften liegt. Der Pfad führte uns durch den Wald und hinunter in Richtung des Dorfes Kattike Bhanjyang. Hier konnten wir dann einen ersten Blick auf das Panorama werfen, das uns den ganzen Tag begleiten würde. Die Berge waren klarer zu sehen, als ich es jemals vorher gesehen hatte, und sie erschienen endlos. Wir konnten gar nicht genug bekommen und machten zahllose Bilder. Am Ende brauchten wir viel länger als geplant für diesen Teil des Weges, aber er war einfach zu schön.

Leider mussten wir für den Rest des Tages der neuen Straße folgen, aber die Aussichten kompensierten uns dafür. Nach einer langen Mittagspause in Chauki Bhanjyang machten wir uns an den letzten Aufstieg des Tages nach Jhule. Wir kamen hier am frühen Nachmittag an und hatten viel Zeit, um uns auf der Terrasse zu entspannen und die Sonne zu genießen – ein idealer Ausklang für den wunderschönen Tag.

Eine Wanderung um Kathmandu: Der Ridge Trail
Von Chisapani sehen die Langtang Berge ganz nah aus – und wunderschön im Sonnenuntergang. Photo: Eva Wieners

Am nächsten Tag machten wir uns früh auf den Weg, um die ganze Strecke bis nach Chisapani am anderen Ende des Nationalparks zurücklegen zu können. Von Jhule aus ging es weitere 30 Minuten bergauf, bis wir einen Armee-Checkpunkt erreichten, an dem wir die Eintrittsgebühr für den Nationalpark von 1050 Rupien bezahlen mussten. Von hier aus führte der Weg uns durch den Wald des Shivapuri Nationalparks. Auch hier war der Pfad mittlerweile in eine Straße verwandelt worden, aber es gab kaum Verkehr und es war immer noch sehr schön, durch die Bäume und Farne zu wandern. Mit vielen Fotopausen brauchten wir fast fünf Stunden, um Chisapani zu erreichen.

Eine Wanderung um Kathmandu: Der Ridge Trail
Wunderschön ist die Wanderung, wenn die Rhododendron Büsche blühen. Photo: Eva Wieners

Wir entschieden uns dafür, in einem der Hotels ein bisschen weiter entfernt vom Ortskern zu bleiben. Von unserem Fenster aus hatten wir die perfekte Aussicht auf die Langtang Bergkette. Nach unserem Nachmittagstee auf dem Dach begannen die Berge in der untergehenden Sonne in allen Schattierungen von Pink zu glühen – ein atemberaubendes Schauspiel.

Am letzten Tag unserer kurzen Wanderung auf dem Ridge Trail mussten wir wieder nach Kathmandu zurück – oder wenigstens nahe genug, um einen Bus nehmen zu können. Wir entschieden uns, nach Sundarijal zu laufen, den der Weg würde uns mitten durch den Shivapuri Nationalpark führen. Von Chisapani aus mussten wir nochmal an einem Checkpoint vorbei, bevor wir über Stufen zu einem Aussichtspunkt aufstiegen. Nach einem letzten, langen Blick auf die wunderschönen Berge drehten wir uns um und liefen wieder in Richtung des Kathmandu Valleys.

In der Blütezeit der Rhododendron Bäume ist diese Wanderung etwas ganz besonders. Leider haben wir dies verpasst, aber als wir dort waren, blühten die Jasmin Büsche und hüllten alles in einen wunderbaren Duft. Wir fühlten uns wie in einer anderen Welt und auch der letzte Wandertag war so etwas ganz besonderes.

Nach zwei Stunden im Wald wichen die Bäume langsam zurück und wir erreichten die ersten Dörfer. Von hier liefen wir noch zwei weitere Stunden, bevor wir die Bushaltestelle in Sundarijal erreichten, wo wir einen Bus zurück in die Stadt nahmen. Obwohl wir nicht weit fahren mussten, so hatten wir doch drei wunderbare Tage ganz weit entfernt vom Stress und Lärm der Stadt.

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